Elektro-Museum


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Geschichte derElektrotechnik

Wissens-Thek > Elektrotechnik in Thüringen

Gewitterblitze in Mythologie und Wissenschaft

Das Beschauen des Himmels und seiner Lichtträgerquellen, die seit Jahrtausenden am Firmament vorbeiziehen, hat dem Menschen frühgeschichtlicher Zeitepochen die Ordnung des ihn umgebenden Geschehens und seiner lebensspendenden Kräfte sichtbar werden lassen. Es sind Priester gewesen, die in weiten Ebenen, auf Tempelterrassen und Türmen den Himmel erforschten und über das Rätsel des Alls, den Grund allen Seins und über den Ursprung des Lebens und Todes nachdachten. Mit Beschwörung und Opfergaben, Flüstern und Rufen, mit Riten und Lobgesängen versuchten sie, die Gunst der himmlischen Götter zu erwecken und das Schicksal der Sterblichen vorauszuahnen.
Dieses Erschauen des Himmels und seiner Kräfte kann als zentraler Gestaltungswille bis in die ältesten Kulturen der Menschengeschichte zurückverfolgt werden und findet ihren stärksten Ausdruck in kultischen Exerzitien, mythologischen Vorstellungen sowie abergläubischer Mantik.



Das Himmelsfeuer

Die vom Feuerbegriff angehende Symbolik gehört zu den frühesten bildhaften Darstellungen des Blitzes im Zusammenhang mit der Elektrizität. Das älteste sichere Blitzemblem steht in einem (1) Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, 2200 v.Chr. das bei Ur-Ausgrabungen gefunden wurde.

(1)

(1) Rollsiegel aus altakadischer Zeit (um 2 200 v. Chr.). Der Wettergott schwingt die Peitsche, die an Donner und Blitz erinnert

(2)

(2) Hethitischer Wettergott Teschup,
um 900 v. Chr.

In der Chinesischen Mythologie späterer Jahrhunderte wird der Blitz durch die in Farbenpracht gehüllte Göttin (5) Tien Mu dargestellt, die mit ihren beiden Spiegeln gezielte Lichtblitze zur Erde entsendet. .

(5)

(5) Die chinesische Blitzgöttin Tien Mu hält Zielbewusst die Spiegel um ihre Blitze zu entsenden

Etwa um 700 v. Chr. übernimmt die griechische Kunst die Blitzsymbole des Vorderen Orients (3).

(3)

(3) Zeus mit flammendem Blitz auf einer attischen
Trinkschale, 480 v. Chr.

Eine tief beeindruckende Darstellung des Blitzes als Himmlisches Feuer findet sich in der künstlerischen Darstellung des Alten Testaments (4)

(4)

(4) III. Buch Moses, Kap. X,
Vers 2; Himmelfeuer tötet
fremdes Feuer


Der Blitzschlag

wird in Zusammenhang mit einem vom Himmel herabfallenden Stein oder einer von dort herabgeschleuderten Steinaxt geschildert. Seine zerschmetternde Kraft, die sich in der Natur durch das Spalten von Bäumen, das Brechen von Fels oder das Töten von Lebewesen offenbart, wird mit den Wirkungen eines schlagauslösenden steinzeitlichen Werkzeugs verglichen. ((6) Donnerkeil, Donnerstein)

(6) Donnerkeilschleudernder Zeus von Dodona, um 470 v. Chr.
rechts; Donnerkeil aus Oberbayern


Lehrmeinungen und Merkwürdigkeiten des Altertums

  • Aristoteles - vertrat die Auffassung, die Wolken bestünden aus tellurischen Dünsten, die sich in der Kälte zusammenzögen und bei einem gewaltigen Ausbruch zur Entzündung kämen.
  • Sehr verbreitet war die Meinung, ein Schlafender sei gegen den Blitzschlag geschützt. Dies wird so erklärt, dass der Körper im Schlafe locker und ohne Lebensgeister sei und daher dem sanft und geschwind hindurchlaufenden Blitz keinen Widerstand entgegensetze.
  • Auch der Lorbeer sollte gegen Blitzschlag schützen, weshalb der römische Kaiser Tiberius bei einem herannahendem Gewitter einen Lorbeerkranz trug.
  • Kaiser Augustus pflegte ein Seehundfell anzulegen.




Blitzelektrizität

Dann waren es Naturkundiger des 18. Jahrhunderts, deren wohl durchdachte Experimente zu den bedeutsamen Erkenntnis führten – dass die von einer Gewitterwolke ausgehende Blitzmaterie in mehrfacher Hinsicht gleicher Natur sein müsse, wie die durch Reibung erzeugbare Elektrizität.
In dieser ereignisreichen Zeit des Experimentierens mit der Reibungselektrizität begann Benjamin Franklin, aus Philadelphia mit eigenen Versuchen und stellte nach kurzer Zeit, dank seiner scharfen und ausgeprägten Beobachtungsgabe die mehrfache Übereinstimmung zwischen der Materie des Blitzes und der durch Reibung erzeugbaren Elektrizität fest.

(8) Schilderhaus-Experiment nach Benjamin Franklins Vorschlag

1750 machte er den kühnen und originellen Vorschlag, diese Übereinstimmung durch einen Versuch zu erhärten, und beschrieb dazu, das von ihm erdachte (8) „Schilderhaus-Experiment“.
Auf der Spitze eines hohen Turmes soll ein Schilderhaus errichtet werden, das einen Isolierschemel mit einer darauf stehenden Person aufnehmen kann. Von dem Schemel führe eine 20 bis 30 Fuß (6 bis 9 m) lange Spitze Eisenstange nach oben. Beim Vorbeiziehen niedriger Wolken würde sich dann die in dem Schilderhaus isoliert stehende Person durch die Eisenstange aufladen und ihr elektrisches Feuer entnehmbar sein. Falls jedoch Gefahr drohen sollte – so fügte Franklin hinzu – dann könnte sich die Versuchsperson auf den Boden stellen und an die isolierte Eisenstange einen geerdeten Draht heranführen. – Die elektrischen Funken würden in diesem Falle gefahrlos von der Eisenstange auf den Draht überspringen können.

Blitzableiter

Die bedeutsamste Leistung Benjamin Franklins war aber der Vorschlag eines wirksamen Blitzableiters für den Gebäudeschutz. In Deutschland bemühte sich 1769 der Hamburger Arzt Reimarus um die Einführung der Franklinschen Wetterstangen. So gab er Anweisungen für die Ableitung des Wetterstrahles an Kirchen, Pulvermagazinen, Strohdächern, Windmühlen, Schilderhäuschen, Schäferkarren, Postkuschen und Schiffen.


(9) Erster Nachweis von Gewitterelektrizität am 10. Mai 1752 durch Dalibard in Marly bei Paris

(10) Experimente mit Gewitterelektrizität um 1766

(11) Am 6. August 1753 wird Prof. Richmann der Kaiserlichen Akademie zu St. Petersburg beim Experimentieren mit Gewitterelektrizität von einem Blitzstrahl tödlich getroffen

(12) Le parpluie-paratonnere von Barbeu-Duborg, Ende des 18. Jhdts.

(13) Blitzversuche im Londoner Pantheon

(14) Strohseil-Blitzableiter nach Lapostolle, 1821

(15) Zeitlicher Ablauf einer Blitzentladung nach Schonland

(16) Multipler Blitzeinschlag in das Empire State Building in New York, Aufnahme mit langsam rotierender Boy-Kamera am 11. Juni 1936

Moderne Blitzforschung

Die moderne wissenschaftliche Erforschung des Blitzphänomens beginnt Ende des 18. Jahrhundert. Sie umfasst einen ungewöhnlichen Variationsreichtum an Problemen, an deren Lösung sich hervorragende Forscher aus den verschiedensten Fachgebieten beteiligt haben. Es sind Meteorologen, Geologen,, Physiker und Elektrotechniker aus aller Welt, die sich zu einem Team zusammengeschlossen haben, um die gestellten Aufgaben zu lösen.



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